Gastbeitrag von Jennifer Schellenberg
Gerade in der 7. Klasse verändert sich für viele Jugendliche einiges: Erste Partys, Jugendweihe oder Konfirmation stehen an – und damit häufig auch die ersten Berührungspunkte mit Alkohol, Vapes (elektronische Einweg-Zigaretten) oder anderen Suchtmitteln.
Um Jugendliche in dieser wichtigen Lebensphase zu stärken, aufzuklären und für Risiken zu sensibilisieren, gibt es im Wartburgkreis seit vielen Jahren das Präventionsprojekt „Durchblick“.
Interaktiver Parcours an vier Standorten
Das Amt für Kindheit und Jugend im Landratsamt Wartburgkreis und die Suchtberatungsstelle „Kompass“ der Diakoniestiftung Thüringen aus Eisenach haben den interaktiven Mitmachparcours „Durchblick“ in diesem Frühjahr erneut organisiert.
An den Standorten Eisenach, Wutha-Farnroda, Bad Salzungen und Vacha setzten sich mehr als 1.000 Siebtklässlerinnen und Siebtklässler aller Schulformen intensiv mit den Gefahren legaler Suchtmittel auseinander.
Das pädagogische Konzept basiert auf einem interaktiven Parcours mit vier thematischen Stationen: Rausch, Alkohol, Vaping und Medien. Dabei verzichten die beteiligten Fachkräfte bewusst auf reine Belehrung.
Im Mittelpunkt stehen stattdessen die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt, persönliche Erfahrungen und der offene Dialog auf Augenhöhe. So wird das Bewusstsein der Jugendlichen für mögliche Folgen des eigenen Handelns geschärft.
Alkohol, Vapes und digitale Medien im Fokus
Das Projekt greift aktuelle Entwicklungen und Konsumtrends gezielt auf. Neben Alkohol, der häufig im Zusammenhang mit Feiern wie Jugendweihe, Konfirmation oder privaten Partys erstmals eine Rolle spielt, stehen derzeit besonders Vapes im Fokus.
Diese elektronischen Einweg-Zigaretten wirken durch fruchtige Aromen und ein vermeintlich harmloses Erscheinungsbild auf viele Jugendliche attraktiv.
Das Suchtrisiko wird dabei häufig unterschätzt. Der Verkauf und Konsum nikotinhaltiger Produkte ist für Minderjährige gesetzlich verboten.
Auch das Thema Mediennutzung wird im Parcours intensiv diskutiert. Dabei geht es unter anderem um Suchtmechanismen und die Frage, warum digitale Plattformen oft so gestaltet sind, dass Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf ihnen verweilen.
Diese Erkenntnis weckt bei vielen Jugendlichen den Ehrgeiz, sich bewusster mit der eigenen Mediennutzung auseinanderzusetzen.
Beim Realitäts-Check schätzen die Schülerinnen und Schüler zunächst ihre tägliche Bildschirmzeit ein und vergleichen diese anschließend mit den tatsächlichen Werten in den Smartphone-Einstellungen der vergangenen Tage.
Offener Austausch im geschützten Raum
Christina Oechel, eine der verantwortlichen Projektkoordinatorinnen aus dem Amt für Kindheit und Jugend, zieht eine positive, aber auch nachdenkliche Bilanz.
„Die Offenheit der Jugendlichen und ihre ehrlichen Berichte seien teilweise ernüchternd, zugleich aber sehr ermutigend. Viele Schülerinnen und Schüler nutzten den geschützten Rahmen, um Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen.
Eine zentrale Botschaft des Projektes sei, dass ein bewusster und eigenverantwortlicher Umgang mit Suchtmitteln, Medien und Gruppendruck entscheidend ist.“
Auch die beteiligten Fachstellen bestätigen, dass eine möglichst frühe Prävention einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann, Jugendliche zu stärken und Risiken vorzubeugen.
Starkes Netzwerk für Prävention im Wartburgkreis
Unterstützt wird das Projekt durch ein breites regionales Netzwerk. Dazu gehören insbesondere Akteure aus der Schul- und Jugendsozialarbeit, Familien- und Erziehungsberatungsstellen, der Kinderschutzdienst, Ehrenamtliche sowie viele weitere Partnerinnen und Partner.
Diese enge Zusammenarbeit sorgt dafür, dass die Jugendlichen nicht nur aufgeklärt werden, sondern zugleich das lokale Hilfesystem und konkrete Ansprechpersonen vor Ort kennenlernen.



